Introvision – die Antwort auf innere Konflikte

  • Foto @ Horst / pixelio

    Foto @ Horst / pixelio

    Ulrich Dehner stellt in seinem aktuellen Blogbeitrag zum Coaching Kongress 2015 die Methode des IntrovisionsCoaching vor. Eine Methode, die auf Nachhaltigkeit zielt und mit den Gründen arbeitet, aus denen Menschen ein Coaching suchen: ihre inneren Konflikte und die Imperative, die diesen zugrunde liegen. 

    Was ist Introvision – In aller Kürze

    Introvision ist eine auf meditativen Achtsamkeitstechniken beruhende Methode, innere Konflikte dauerhaft aufzulösen.

    Was sich so trocken liest, ist ein bislang noch wenig bekanntes Verfahren, mit dem man, wissenschaftlich nachgewiesen, sensationelle Ergebnisse erzielt. Entwickelt wurde Introvision an der Universität Hamburg im Bereich pädagogische Psychologie unter der Federführung der Professorin Dr. Angelika Wagner, die, auch im Verbund mit Neurobiologen, diesem Thema Jahrzehnte der Forschung gewidmet hat. Selten ist ein wissenschaftlich so gut fundiertes Verfahren bislang so unbekannt geblieben wie die Introvision. Dabei ist die Introvision im Moment der Königsweg zu einem „nachhaltigen“ Coaching, das diesen Namen auch verdient.

    Was genau passiert da?

    Beginnen wir mit den inneren Konflikten. Bei vielen Problemen, die Menschen zu einem Coaching veranlassen, sind innere Konflikte das, was die eigentlichen Schwierigkeiten verursacht. Auch der meiste Stress rührt von inneren Konflikten her. Bei ihren Forschungen hat Professor Wagner herausgefunden, dass bei inneren Konflikten immer mindestens ein sogenannter „Imperativ“ vorhanden ist. Ein Imperativ bedeutet in diesem Zusammenhang eine innere Forderung oder ein innerer Druck, dass etwas unbedingt geschehen muss oder aber auf keinen Fall geschehen darf. Ein Imperativ könnte zum Beispiel sein „Ich muss unbedingt meine Verkaufszahlen steigern“ oder „Ich darf auf gar keinen Fall bei meiner Präsentation versagen“.

    Ein innerer Konflikt ist immer dadurch gekennzeichnet, dass starke Erregungszustände auftreten, dass die Gedanken kreiseln, dass man sich blockiert fühlt, dass man vielleicht sogar so sehr von seinem Problem absorbiert ist, dass man nachts nicht mehr schlafen kann. Zu einem solchen inneren Konflikt kommt es, wenn Gedanken auftauchen, die den oben genannten Imperativ bedrohen, weil es ja durchaus sein kann, dass man es nicht schafft, seine Verkaufszahlen zu steigern oder dass man keine gelungene Präsentation hinbekommt.

    Die inneren Konflikte lassen sich in vier Hauptgruppen unterteilen.

    • Der Realitätskonflikt

    Die Wirklichkeit ist anders als sie den eigenen Anforderungen nach sein sollte. Jemand hat einen wichtigen Auftrag verloren, kann sich innerlich damit aber nicht abfinden und hadert mit dieser Wirklichkeit, weil sein Imperativ „Ich darf diesen Auftrag auf keinen Fall verlieren!“ verletzt wurde. Die Folge ist, dass seine Gedanken dauernd um Fragen kreisen wie: „Warum habe ich nur diesen Auftrag verloren? Wie konnte das passieren? Was habe ich falsch gemacht? Wie hätte ich mich anders verhalten müssen?“ und so weiter. Das sind keine konstruktiven Gedanken, sondern selbstquälerische Selbstbeschuldigungen, die einhergehen mit innerer Erregung, Anspannung und Angst.

    • Der Imperativ-Konflikt

    Dieser Konflikt entsteht, wenn zwei entgegengesetzte Imperative aktiv werden. Jemand, der vor einer Prüfung davon überzeugt ist „Ich lernen nur unter Druck, anders bringe ich mich nicht dazu“, sich aber gleichzeitig sicher ist: „Um diese schwierigen Inhalte aufnehmen zu können, muss ich ganz entspannt sein“, hat sich in eine Sackgasse gebracht. Einerseits muss der Druck da sein, damit er überhaupt lernt, andererseits kann er sich unter Druck nichts merken. Auch dieser innere Konflikt kann sich bis zu einer panikartigen Erregung hochschaukeln.

    • Der Undurchführbarkeits-Konflikt

    Dieser Konflikt tritt ein, wenn der Imperativ lautet, etwas ganz Bestimmtes erreichen zu müssen, man aber keinerlei Idee hat, wie man das anstellen soll. Ein Sales-Manager zum Beispiel, der sieht, dass sein Umsatz dramatisch einbricht, seine Zahlen mit aller Gewalt wieder nach oben bringen will, aber nicht weiß, wie, weil er den Eindruck hat, bereits alles Menschenmögliche dafür getan zu haben, könnte einen solchen Konflikt erleben. Das einzige was er weiß, ist „Das darf einfach nicht passieren, dass meine Zahlen noch weiter abrutschen!“ Er hat aber keinen blassen Schimmer, was er noch unternehmen soll, und wälzt sich nachts schlaflos im Bett angesichts seiner Verkaufszahlen. Die Panik-Attacken sind nicht mehr fern.

    • Der Konflikt-Konflikt 

    Dieser Konflikt ist der klassische Fall der Angst vor der Angst. Bei starken Angst-Phänomenen wie Prüfungsangst oder Auftrittsangst lässt sich häufig beobachten, dass das eigentliche Problem gar nicht die ursprüngliche Angst ist, die ja oft sogar ganz hilfreich sein kann, weil das freigesetzte Adrenalin hilft, klar und voller Energie in die Situation zu gehen. Viel schlimmer und behindernder ist, dass man glaubt, diese Angst nicht haben zu dürfen. Erst damit gerät man in einen Konflikt: Die Angst ist da und genau deswegen gerät man in Panik. So erging es einer erfahrenen Führungskraft, die glaubte, ein solches Problem in ihrer Abteilung überhaupt nicht mehr haben zu dürfen „mit ihrer Berufserfahrung!“ So konnte sie nicht nur das ursprüngliche Problem nicht lösen, sondern geriet noch deswegen in innere Bedrängnis, weil sie das Problem überhaupt hatte.

    Die „normale“ Reaktion des Verstandes besteht darin zu versuchen, den inneren Konflikt zu beenden, indem  man diese bedrohlichen Gedanken auf irgendeine Weise verdrängt, denn wenn alle Alarmglocken schrillen, sagt der Verstand „Hau ab! Flieh, so schnell du kannst!“

    Was dabei herauskommt, sind Konflikt-Vermeidungs-Strategien. Dazu zählen:

    • Schneller Themenwechsel, also unangenehme Gedanken konsequent beiseite schieben
    • Ablenken, durch „dringende“ andere Arbeiten zum Beispiel
    • „Positiv denken“, also zur inneren Beruhigung Sprüche vorbeten wie „Wird schon gutgehen“ oder ähnliches
    • Theoretisieren, sehr beliebt ist dabei die „Selbst-Analyse“: „Ich bin so und so, weil…“
    • Selbst-Mitleid und Selbst-Bejammerung: „Immer trifft es mich! Warum muss auch ich immer die gesamte Verantwortung tragen!“
    • Eine andere Realität herbeiwünschen: „Hätte ich mich doch nie darauf eingelassen! Ich könnte so gemütlich im Garten sitzen und Däumchen drehen!“
    • Sich der Situation durch Flucht entziehen, sich also zum Beispiel vor einem unangenehmen Ereignis krank melden.

     

    Das Problem dabei ist jedoch, dass gerade dadurch der innere Konflikt immer fester zementiert wird, denn die Imperative behalten ihre Wirksamkeit, auch wenn der Verstand versucht, sich zu beruhigen. Sobald man sich gedanklich wieder mit der Situation beschäftigt, sind auch die Alarme wieder da.

    Introvision bietet die Möglichkeit, Imperative endgültig zu löschen. Neurobiologen haben nachgewiesen, dass sich das sogar bildlich nachverfolgen lässt: Das Alarmsystem, das in der Amygdala sitzt und bei inneren Konflikten heftige Reaktionen zeigte, verhielt sich gänzlich unaufgeregt, nachdem ein Imperativ mit Hilfe von Introvision bearbeitet wurde.

    Der erste Schritt, den der Klient  lernen muss, ist die Haltung der „weiten Wahrnehmung“ einzunehmen. Die „weite Wahrnehmung“ bezieht sich auf eine Achtsamkeitstechnik aus dem „Mindfulness Based Stress Reduction“ – Programm, kurz MBSR genannt. Diese weitgehend meditative Technik besteht darin, eine innere Haltung einzunehmen, bei der man, ohne zu bewerten, rein beobachtend wahrnimmt, welche Gedanken kommen und gehen, welche Gefühle sich einstellen und welche körperlichen Reaktionen auftreten.

    Im zweiten Schritt wird der Imperativ, oder die Imperative, falls es mehrere sind, herausgearbeitet.

    Im dritten Schritt formuliert der Coach gemeinsam mit dem Klienten einen Satz, der dem Imperativ entgegensteht, also zum Beispiel „Es kann sein, dass ich durch die Prüfung falle.“

    Im vierten Schritt konfrontiert sich der Klient in der Haltung der „weiten Wahrnehmung“ mit diesem Satz und beobachtet einfach nur, was dieser Satz bei ihm auslöst. Er konstatiert also zum Beispiel „Ich bekomme Herzklopfen“, „mir wird ganz heiß“, „mein Bauch krampft sich zusammen“, „ich denke, das ist das Ende“. Wenn der Klient diese konstatierende Wahrnehmung nicht mehr aufrechterhalten kann, weil er beginnt, panisch zu werden oder aktiv einzelnen Gedanken zu folgen, etwa indem er „rationalisiert“,  verlässt er die meditative Haltung und spricht mit dem Coach über seine Erfahrungen. Anschließend nimmt er die Haltung wieder ein und beobachtet, was sich verändert.

    Der fünfte Schritt besteht unter Umständen darin, diese Übung zu Hause zwei, drei oder vier Wochen lang für zehn bis fünfzehn Minuten täglich zu wiederholen, also den dem Imperativ entgegengesetzten Gedanken in der Haltung der weiten Wahrnehmung auf sich wirken zu lassen.

    Früher oder später wird der Klient feststellen, dass der bedrohliche Gedanke keinerlei körperliche oder emotionale Reaktion mehr auslöst – der Imperativ hat sich aufgelöst – und zwar für immer, wie viele Untersuchungen nachgewiesen haben.

    Meist dauert es keineswegs Wochen, in vielen Fällen löst sich der Imperativ schon nach einer Sitzung in Luft auf. Mit dem Ergebnis, dass die Klienten ein großes Gefühl der Befreiung empfinden: „Ich schwebe wie auf Wolken“; „Ich fühle mich wie neugeboren“; „Ich bin wie von einer Last befreit“ sind einige der Kommentare, die Klienten nach der Arbeit mit Introvision geäußert haben.

     

    Ulrich Dehner Dipl. Psychologe Ulrich Dehner ist Gründer der Konstanzer Seminare und der dehner academy für Coaching, Ausbildung und Training sowie Gründungs- und Vorstandsmitglied des Deutschen Bundesverbandes für Coaching DBVC. Er hat mehrere Bücher zu psychologischen und Management-Themen veröffentlicht. In seinem Workshop „Nachhaltiges Coaching mit Introvision – Coachingmethode mit Tiefgang“  am 2. Kongresstag, 27.3.2015 von 11:15 – 12:30 Uhr, geht er tiefer auf die Methode des IntrovisionsCoaching ein.

    Details zum Workshop finden Sie hier.

 

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