Online-Interventionen durchführen: Nicht ob, sondern wie

  • online-anyywhere

    Foto @ W. Schindler

    Beitrag von Wolfgang Schindler: “Coaching über‘s Telefon? Da sehe ich ja nichts von Mimik und Körpersprache meines Klienten! Geht ja gar nicht!” Was im Jahr 2015 beim Medium ‘Telefon’ als anachronistisches Wissensdefizit offenkundig ist, scheint beim Medium ‘CvK – Computer vermittelte Kommunikation’ noch nicht so klar widerlegt zu sein. Obwohl die Forschungslage schon seit Jahren eindeutig ist: „Die Diskussion um die prinzipielle Wirksamkeit von Online-Therapien brauchen wir nicht mehr zu führen. Die Nachweise liegen vor. … Wir sollten uns jetzt fragen: Wie machen wir es?“ konstatierte die Berliner Professorin für Klinisch-Psychologische Intervention Dr. Christine Knaevelsrud im Interview der SZ schon 2011 (25.08.).

    Dennoch, für etliche erfahrene Coaches und SupervisorInnen ist „das Internet“ noch immer „Neuland“, nicht nur für Angela Merkel. Dies umso mehr, als „nach Snowden“ die prinzipielle Verwundbarkeit geschützter Kommunikation manifest geworden ist. Halten wir also fest: Ob ‚Online‘ oder ‚face-to-face‘, zum Angebot eines Coachings / einer Supervision gehört von Anfang an das angemessene Setting:
    Ein Raum, mit verschließbarer Tür und soliden Wänden, durch die das Gespräch nicht nach außen dringt, ohne Überwachungskamera und Einwegscheibe, mit verfügbarem Moderationswerkzeug. Alle Beteiligten im Raum können einander als anwesend sehen, müssen nicht fürchten, dass sie mitten im Prozess von außen gestört werden.

    Was für Offline-Settings selbstverständlich scheint, muss es auch in Online-Beratungen sein. Ist es aber nicht so ohne weiteres, wie schon am Begriff ‚eMail-Beratung‘ sichtbar wird, also sowas ähnliches wie ‚Postkarten-Beratung‘. Geht nun wirklich nicht! Online-Coaching braucht deswegen professionell gestaltete Orte im Internet, an denen Klienten wie Berater geschützt sind und sich wohl fühlen.

    Wenn wir uns soweit einig sind, bleibt die noch offene Frage nach der Qualität einer (eben nicht nur „kanal- reduzierten“) Kommunikation in Online-Medien. Überraschende Antwort: Das Maß an kommunikativer Intensität und Selbstexplikation steigt, wenn Menschen a-synchron und schriftlich miteinander ’sprechen‘. Sagt die Forschung zur Sozialpsychologie im Internet. Und gilt für erfolgreiche Beratungspraxis in solchen Online-Settings.

    Portait Wolfgang SchindlerÜber Grundlagen und Erfahrungen mit Onlineberatung, über Auswahl, Gestaltung und Nutzung virtueller Beratungsräume im Internet informiert Wolfgang Schindlers Vortrag am 2. Kongresstag Freitag, 26.02.2016 von 13:30 – 14:45 Uhr beim Coaching-Kongress in Erding, zusammen mit Stefan Daniel Richter. Beispiele dazu stammen aus der Beratungspraxis im Online-Tagungs-und Beratungshaus https://www.kokom.net

    Details zum Vortrag finden Sie hier.

 

1 Comment

 

  1. Dr. Rolf Meier 26. November 2015 Antworten

    ....wenn das Herz sich entschieden hat, findet der Verstand 1000 Argumente. So der Volksmund.

    Wer will ernsthaft bestreiten, dass nicht auch "Online-Coaching" geht. Es kommt auf die Definition von Coaching an. Es kommt auf die Kultur der Coachingkonzeption an. Es kommt auf das Menschenbild an. Und es kommt auf das Selbstverständnis des Coachs an.

    Rezepte verteilen ist etwas anderes als systemische Reflexion auslösen. Die Formulierung :"Wissenschaftlich belegt ist das Gegenteil: „Die Diskussion um die prinzipielle Wirksamkeit von Online-Therapien brauchen wir nicht mehr zu führen. Die Nachweise liegen vor. … Wir sollten uns jetzt fragen: Wie machen wir es?“
    ist aus meiner Sicht nicht nur ein (falsches) Totschlagargument, sondern auch ein verfestigter Glaubenssatz.

    Im Coaching geht es nicht um Therapien - sondern um individuelle, konstruktivistische Selbsterkenntnis, die Handlungen auslösen oder nicht.
    Eine verschriftlichte Diskussion kann die Ästhetik von Coaching nicht abbilden - außer man versteht unter Coaching: die mehr oder weniger elegante Beeinflussung des Coachees durch den omnipotenten Coach.

    Wie gesagt: wenn das Herz sich entschieden hat, findet der Verstand 1000 Argumente für die Rechtfertigung der eigenen Position.
    Beste Grüße
    Dr. Rolf Meier

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