Resilienz im Zeitalter der Mobilität – Zwischen Abenteuer und Anforderung

  • Foto © Maridav / Shutterstock

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    Ein Beitrag von Urte Reckowsky für den Blog des Erdinger Coaching-Kongresses:

    Experience is not what happens to you; it’s what you do with what happens to you.
    Aldous Huxley

     

    Neugierde, Offenheit für neue Erfahrungen und eine hohe Anpassungsfähigkeit sind gute Voraussetzungen für den kurz- oder längerfristigen Aufenthalt in einem anderen Land. Abenteuerlustige und kulturell Interessierte kommen auf ihre Kosten. Doch die Kehrseite können enttäusche Erwartungen, Isolation und starkes Stresserleben sein. Zwischen diesen Polen bewegt sich der Vortrag «Resilienz im Zeitalter der Mobilität».

    Ein Morgen in Zürich: Frau B. klappt ihr Laptop zu. Sie ist zufrieden mit sich, denn die Spanierin hat gerade einen Text fertig gestellt, den sie am psychologischen Institut der Universität als Teil der Abschlussprüfung ihrer Weiterbildung einreichen wird. Sie hatte lange überlegt, ob sie die Ausbildung machen sollte, denn sie war bei deren Beginn schon Mitte fünfzig. Als sie mit ihrem Mann in England war, hat sie einen Master in Kulturwissenschaften gemacht und dann als Unternehmensberaterin gearbeitet. In den USA verfasste sie mit einem Kollegen ein Buch zu Authentizität und Führung.

    Herr S. sitzt am Fenster und schaut in den fallenden Schnee. Der einjährige Sohn ist eingeschlafen und nun wäre eigentlich Zeit, Bewerbungen zu schreiben. Vielleicht die sechzigste. Er hatte sich alles ganz anders vorgestellt, als seiner Frau vor zweieinhalb Jahren am Hauptsitz des Unternehmens in Zürich eine äusserst attraktive Stelle angeboten wurde, mit der Chance auf weitere Beförderung. Er hatte seine Stelle in der Telekommunikations-Branche in Griechenland gekündigt, da die Arbeitslosenquote in der Schweiz nur drei Prozent gegenüber 25 Prozent in seinem Heimatland beträgt. Statt Bewerbungen zu schreiben geht Herr S. an diesem Vormittag jedoch auf all seine Profile im Internet. Bei jedem drückt er den Button «Delete».

    Frau L. kommt ins Coaching. Sie hatte beim letzten Mal einen Durchbruch erzielt, wie sie es nennt, indem sie sich im Rahmen der Arbeit mit einem Tool für die Entscheidungsfindung klargeworden war, dass sie Sprachlehrerin werden wollte. Sie hatte sich lange mit der Frage befasst, wie ihre berufliche Laufbahn weitergehen sollte. In ihren eigentlichen Beruf, Controllerin, wollte sie nicht zurück. Kurzzeitig hatte sie den Traum, eine spezialisierte Reiseagentur zu eröffnen, scheute jedoch vor dem Aufwand zurück. Eine andere Option war, als Verkäuferin in einer Boutique oder in einem Schuhgeschäft zu arbeiten. Im Coaching war ihr klargeworden, dass die Ausbildung zur Sprachlehrerin genau das war, was sie machen wollte. Eine Arbeit, die mit Menschen zu tun hatte und der sie überall nachgehen konnte, egal, wann und wohin ihr Ehemann als Nächstes versetzt würde.

    Alle drei Situationen haben sich real zugetragen. Alle drei Personen waren vor dem Umzug voll und ganz mit der Auslandsentsendung ihrer Partner einverstanden und sind neugierig und hoffnungsvoll gestartet. Die eine brauchte kein Coaching, der andere wollte keines (stattdessen kam seine Frau), die dritte hat aktiv einen Coach gesucht.

    Menschen, die aus beruflichen Gründen ins Ausland gehen, tun dies unter diversen Voraussetzungen. Doch alle haben eines gemeinsam: Diejenigen, die sich für ein Leben im Ausland entscheiden, begeben sich bewusst in ein Leben voller neuer Erfahrungen und Veränderungen. Sie gehen mitten hinein in die VUCA-Welt, wenn sie sich an neue Lebensumstände anpassen und neue Kontakte knüpfen müssen und gleichzeitig nicht wissen, wann der nächste Umzug in ein anderes Land erfolgt. Insbesondere die mitreisenden Partnerinnen und Partner müssen auf ihre emotionale Stabilität achten. Ihnen kann die Eingewöhnung in die neue Kultur leichter und gleichzeitig auch schwerer als ihren arbeitenden Partnern fallen: Leichter, wenn es ihnen gelingt, die Sprache zu lernen, Kontakte im Gastland aufzubauen, das Land zu erkunden, ihren Interessen nachzugehen und sich zu integrieren; schwerer, wenn sie sich im Spannungsfeld zwischen der Suche nach einer neuen (beruflichen) Identität und andauernder Isolation befinden. Denn wie die Beispiele zeigen, müssen die eigenen Rollen teilweise neu definiert und ausgefüllt werden und manch einen trifft dies unvorbereitet.

    Die Herausforderungen, mit denen «Expatriates» konfrontiert sind, unterscheiden sich im Einzelnen nicht von denjenigen anderer Menschen. Veränderungen im beruflichen Status, Familienangehörige oder Freunde, die weit weg wohnen, Einsamkeitsgefühle bis hin zu depressiven Verstimmungen – all dies kommt überall vor. Doch wenn diese Probleme mit den erhöhten Schwierigkeiten der Alltagsbewältigung zusammenfallen, steigt die Anfälligkeit für intensives Stresserleben.

     

    Urte ReckowskyDie Referentin Urte Reckowsky ist Wirtschaftspsychologin, systemischer Management Coach und Kulturwissenschaftlerin. Sie befasst sich seit 20 Jahren mit den besonderen Herausforderungen des Lebens in und zwischen verschiedenen Kulturen.

    In ihrem Vortrag «Resilienz im Zeitalter der Mobilität» am 1. Kongresstag, 16.02.2017, 12:20-13:00 Uhr,  werden Modelle zur Erläuterung von Anpassungsprozessen dargestellt, es geht um Kulturschock-Theorien und darum, wie man trotz unerwartet schwieriger Umstände resilient bleibt, also immer wieder in die eigene – vielleicht erweiterte – Form zurückfindet und darum, was Coaching dazu beitragen kann.

    Mehr Details zum Vortrag finden Sie hier.

     

 

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