Was geht mich Deine Trauer an?

  • Wie das Phänomen Trauer systemisch eine Antwort finden kann

    Auch wenn Sterben und Tod in den Medien allgegenwärtige Themen sind, so beschäftigen sich trotzdem nur wenige Menschen näher mit diesem Thema (vgl. Deutscher Hospiz- und Palliativverband, Hrsg., Sterben in Deutschland –  Wissen und Einstellungen zum Sterben 2012). Somit werden Sterben, Tod und Trauer oftmals tabuisiert bzw. wir wollen es oftmals nicht wahrnehmen. Viele fragen sich vielleicht auch: Was geht mich Trauer an?

    Diese Tabuisierung ist problematisch, wenn man bedenkt, dass in Deutschland jedes Jahr rund 900.000 Menschen versterben, davon etwa rund 140.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Somit wird auch in der Organisation gestorben bzw. Organisationsmitglieder sind mit Todesfällen in ihrer Organisation, aber auch in ihrem Umfeld konfrontiert. Dabei ist gleichzeitig zu berücksichtigen, dass Sterbende ein Vielfaches an Trauernden zurück lassen.

    Foto © Counselling / pixabay

    Oftmals herrscht in Organisationen dann eine große Unsicherheit, die in Sprachlosigkeit mündet. Was tun, wenn eine Führungskraft bei einem Sportunfall ums Leben kommt? Wann, wie und was soll kommuniziert werden, wenn langjährige Mitarbeiter an einer unheilbaren Krebserkrankung erkranken und nach einem halben Jahr versterben? Wie soll mit einem Organisationsmitglied umgegangen werden, wenn dieser seinen Partner oder sein Kind verliert?

    Der inneren Unsicherheit und Ohnmacht folgt dann ein Schweigen. Häufig meiden wir beispielsweise die Trauernden, um mit der Trauer nicht konfrontiert zu werden bzw. nichts „falsch“ zu machen. So berichtet die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, dass ihr MItarbeiter auf den Unternehmensfluren nach dem Tod ihres Ehemanns regelrecht ausgewichen sind (vgl. Karls, U. Umgang mit Hinterbliebenen – In Trauer arbeiten, FAZ v. 14.04.2016).

    Wenn sich ein tödlicher Arbeitsunfall ereignet oder ein Organisationsmitglied Suizid begeht, kommen zur Betroffenheit und Hilflosigkeit oftmals noch Schuldgefühle hinzu: Hätte ich bzw. hätten wir dies erkennen oder gar vermeiden können? Was ist mein bzw. unser Anteil daran?

     

    Umgang von Organisationen mit Sterben, Tod und Trauer

    In den meisten Organisationen gibt es zum Thema Umgang mit Sterben, Tod und Trauer keine Regelungen oder gar einen fest etablierten betrieblichen Trauerbegleitungsprozess. Dabei muss jeder Organisation klar sein: Wenn Organisationsmitglieder trauern, sind diese in einem inneren Ausnahmezustand, der individuell sehr unterschiedlich sein kann. Da Organisationen „lebende Systeme“ sind und die Organisationsmitglieder in wechselseitigen Austauschbeziehungen stehen, können die Auswirkungen auf der individuellen und organisationalen Ebene beträchtlich sein.

    Foto © Marlene Henken & Corinna von Au

    Der Workshop möchte Offenheit und Verständnis für die vielen Facetten der individuellen Trauer, unter Einbeziehung der systemische Perspektive, vermitteln. Er gibt Impulse für Betroffene, Kollegen, Führungskräfte und Personalverantwortliche, wie mit Trauernden umgegangen werden kann. Dabei fließen Impulse aus unserer Hospizarbeit und unserer Beratungspraxis mit ein.

    Sie sind herzlich eingeladen, dieses Thema zu hören, zu erspüren und mit uns zu diskutieren. Die TeilnehmerInnen können Hemmungen und Blockaden im Umgang mit Trauer und Trauma abbauen. Zudem wollen wir Sie ermutigen, die Themen Sprache, Kontakt und Beziehung näher zu beleuchten. Hierdurch möchten wir Impulse gegeben, um die Bereiche Sterben, Tod und Trauer in Organisationen besser implementieren und leben zu können.

     

    Wir freuen uns auf Sie

    Corinna von Au                      Marlene Henken

     

    Zum Einlesen empfehlen wir unsere aktuellen Beiträge zu diesem Thema:

    Von Au, C. (2018). Umgang mit Tod und Trauer im Führungsalltag: Hintergründe, Herausforderungen und Next Practice Impulse. In von Au, C. (Hrsg.), Führen in der vernetzten virtuellen und realen Welt. Digitalisierung, Selbstorganisation, Organisationsspezifika und Tabuthema Tod (S. 193-215). Reihe: Leadership und Angewandte Psychologie (Bd. 8). Wiesbaden: Springer.

    Henken, M. (2018). Ehrenamtsarbeit ist Beziehungsarbeit – Förderung der Wirksamkeit und Bindung von Ehrenamtlichen am Beispiel des ambulanten Hospizdienstes Kleinod. In von Au, C. (Hrsg.) (2018). Anreizsysteme für Leadership-Organisationen. Employer Branding und Anreizsysteme der Next Practice (S. 157-171). Reihe: Leadership und Angewandte Psychologie (Bd. 7). Wiesbaden: Springer.

 

1 Comment

 

  1. Gerhard Koch 15. Februar 2018 Antworten

    Ihre Sicht und Ihre Aussagen kann ich zu 100% bestätigen, ich bin seit mehreren Jahren Hospizbegleiter und Executive Coach. Das Thema Tod wird auch in Unternehmen noch immer zu sehr tabuisiert

Leave a Reply

 

Your email address will not be published. Required fields are marked *

  • Programm

     

    Programm

  •  

     

     

  • Coaching-Kongress 2018

     

    Banner des Coaching-Kongresses 2018 am 22.-23.2.18

    Schwerpunkt: Lebensphasen-orientiertes Coaching

    Wann und wo:
    22.-23. Februar 2018
    HAM Studiencampus
    Steinheilstraße 4-8
    85737 Ismaning bei München

    HAM Coaching-Preis:
    Preis für beste Abschlussarbeit und Forschungsarbeit zu Coaching

    TeilnehmerInnen:
    Coachs, Führungskräfte, Unternehmensvertreter aus dem Bereich HR, Studierende, ForscherInnen im Bereich Coaching

    Veranstalter:
    Hochschule für angewandtes Management,
    Fakultät für Wirtschaftspsychologie

    Kontakt:
    orga@coaching-kongress.com

  • Save the date 2018

     

    Reservieren Sie sich schon jetzt den Termin für den Coaching-Kongress 2018: 22.-23. Februar 2018.

  • Coaching-Umfrage

     

    Bis zum 31. Januar 2018 läuft die aktuelle
    Coaching-Umfrage
  • Blog abonnieren

     

    Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an, um Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.